Inside Pétanque

 

Wie jede Sportart hat auch Pétanque Begriffe, die Außenstehende ziemlich ratlos machen.
Damit Du von Anfang an mitreden kannst: hier ein paar Übersetzungen.

Auf der Hand

Zahl der Kugeln, die ein Team noch spielen darf: „Wie viel haben die noch auf der Hand?“ ist oft eine strategieentscheidende Frage – weil sie klärt, bei welchem Team der > Kugelvorteil liegt.

Aufnahme

Spielabschnitt, der endet, wenn die letzte Kugel geworfen wurde und ausgerollt ist, sprich niemand mehr eine > auf der Hand hat. Eine Aufnahme im Pétanque entspricht damit dem End im Curling oder der Kehre im Stockschießen.

Pro Aufnahme kann ein Team 1 bis 6 Punkte erzielen. Ein Spiel endet, wenn ein Team 13 Punkte hat. Aus wie vielen Aufnahmen ein Spiel besteht, kann man deshalb nicht sagen. So viele wie halt nötig sind, um die 13 Punkte zu scoren.

Auswerfen

Vorspiel, um Teams auszulosen. Jede und jeder Spielwillige spielt dabei gleichzeitig eine Kugel auf ein zuvor geworfenes >Schweinchen. Die Reihenfolge, in der die Kugeln zu liegen kommen, entscheidet über Zahl und Zusammensetzung der Teams. Wirkt für Neulinge manchmal wie Kaffeesatz lesen, funktioniert aber.

Bei uns!

Das ist die Antwort auf die Frage: „Wo liegt der Vorteil?“, sprich: „Wer hat den Punkt?“ oder „Welches Team liegt der Zielkugel am nächsten?“. Kommt vom französischen chez nous.

Boule devant, boule d’argent

Alte Boulistenweisheit: Eine vor dem Ziel liegende Kugel ist besser als eine dahinter. Weil sie dem Gegner im Weg liegt und durch Karambolagen dem > Schweinchen durchaus noch nahekommen kann. Dem Spruch begegnet man manchmal auch in der Version Boules devant, boules gagnant.

Boulodrome

Ein Pétanqueplatz mit mehreren Spielfeldern oder Bahnen. Meist ist es eine Vereinsanlage. Das Wort kriegt von allzu frankophilen Deutschen bisweilen einen accent circonflexe (boulodrôme) verpasst. Ist natürlich Unfug. Auch in Frankreich schreibt man’s ohne.

Carreau sur place

Sowas wie der Jackpot! Ein Wurf (oder besser: ein Schuss), bei dem die eigene Kugel so auf eine gegnerische trifft, dass die sich mit Schmackes verabschiedet, während die eigene Kugel exakt an der frei gewordenen Stelle liegen bleibt. Gelingt nicht immer, ist dann aber kolossal gut fürs Ego.

Das war der Platz!

Beliebte Ausrede, wenn ein Wurf daneben geht… Es stimmt aber schon: Unebenheiten können durchaus dazu führen, dass eine an sich gut gespielte Kugel verspringt oder „abbiegt“ – und ihr Ziel verfehlt.

Die Sau treiben

Strategie, mit der eigenen Kugel das > Schweinchen zu treffen, um es näher an ein Kugelnest der eigenen Mannschaft zu schieben, oder um es aus dem Spielfeld herauszukatapultieren und so einen Neubeginn der Aufnahme zu erzwingen.

Donnée

Der Punkt, an dem eine Kugel auftrifft. Ein Donnée kann – je nach Belag – als Minikrater im Kies zur fiesen Falle für die nächsten Würfe werden (> Das war der Platz!). Also gut überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, ein Donnée wieder einzuebnen. Eins davon darf man pro Spielzug nämlich „zumachen“.

Drauflegen

Versuch, eine gegnerische (oder eigene) Kugel anzuspielen, um sie als Bremse zu nutzen und/oder wegzudrücken. Macht besonders viel Sinn, wenn die angespielte und derzeit führende Kugel eher hinter dem > Schweinchen liegt.

Fanny

Ein Fanny kassiert, wer zu Null verliert. Bis heute gängiger Begriff, obwohl seine Herkunft reichlich derb ist und einen eher unzeitgemäßen Altherrenhumor bedient: Wer so gnadenlos verlor, sollte – so die Legende – zur Strafe den nackten Hintern einer Kellnerin gleichen Namens küssen. Naja. Wer den Schaden hat…

Hochportée

Wurf, bei dem die Kugel einen hohen Bogen beschreibt, kurz vor dem Ziel landet und (dank Rückdrall) nur noch kurz weiterrollt. Ideal auf steinigem oder unebenem Platz oder wenn Du über schon gespielte Kugeln hinweg
> legen musst.

Kugelvorteil

Liegt bei dem Team, das noch mehr Kugeln > auf der Hand hat.

La Belle

Entscheidungsspiel, wenn es nach zwei Spielen eins zu eins steht. Die Frage „Na, La Belle?“ hat oft den Zweck, Mitspielende zu überreden, doch noch etwas zu bleiben und eine dritte Partie mitzuspielen. Die korrekte Antwort liegt natürlich auf der Hand: „Na gut. Eins noch.“

Länge und Weg

Zwei Qualitäten ein und desselben Wurfs: Die ideale Länge wäre der genaue Abstand zwischen Wurfkreis und > Schweinchen, der ideale Weg ein gerader Lauf in Richtung Zielkugel. Beide Begriffe kriegt man oft zu hören, wenn eins von beiden nicht gelingt: „Aber die Länge war perfekt!“ (auch wenn die Kugel jetzt einen guten Meter seitlich vom Schweinchen liegt) oder: „Der Weg war schon mal gut!“ (obwohl die Kugel weit übers Ziel hinausgerollt oder schon drei Meter davor versumpft ist).

Lebt noch

Eine Kugel, die das Spielfeld vollständig verlässt, gilt als tot, sprich ungültig. Entscheidend ist dabei das Wort vollständig: Ragt am Ende auch nur ein Millimeterchen der Kugel aufs Spielfeld, zählt sie noch: Sie lebt.

Leer

„Ich bin leer.“ heißt: Ich habe alle meine Kugeln gespielt. „Seid Ihr leer?“ fragt ein Team, um sicher zu gehen, dass die anderen tatsächlich keine Kugeln mehr haben.

Legen

Wurf mit dem Ziel, die Kugel so nahe wie möglich ans Schweinchen zu bringen.
Gegenstück zum > Schießen

Schießen

Wurf mit dem Ziel, eine gut liegende gegnerische Kugel wegzudrücken oder eben: wegzuschießen.
Gegenstück zum > Legen

Schweinchen

Vom französischen cochonet (Ferkelchen). Gemeint ist die Zielkugel, die jede Farbe haben darf. Oft in Signalfarben, damit das Ziel auch bei Dämmerung gut sichtbar bleibt. Das Schweinchen (oder cochonet) muss 29 bis 31 mm Durchmesser haben und aus Holz oder einem zugelassenem Kunststoff („synthetischem Material“ steht im Reglement) sein. Je nachdem, wie willig das Ding da landet, wo es soll, wird aus dem Schweinchen gern mal eine Sau.

Supermelée

Ein Turniermodus, bei dem die Teams vor jeder Runde neu ausgelost werden

Triplette, Doublette und Tête

Die drei Spielformationen beim Pétanque.
Beim Tête-á-tête (Kopf an Kopf) spielt eine Person gegen eine Person – jede mit drei Kugeln.
Bei der Doublette (dem Doppel) treten zwei Teams aus jeweils zwei Personen gegeneinander an.
Auch hier spielt jede Person drei Kugeln, jedes Team also sechs.
Bei der Triplette schließlich spielen drei gegen drei, dann aber nur mit zwei Kugeln pro Person.
Macht wieder sechs pro Team.

13 liegt!

Mal triumphierend, mal warnend gemeint – je nachdem, wer’s sagt. Der Ausruf signalisiert, dass Team A das Spiel gleich gewinnen wird, sofern es Team B nicht doch noch gelingt, besser zu legen oder die entscheidende Kugel von Team A wegzuschießen, damit sie nicht den 13ten Punkt und damit den Sieg bringt. Im Grunde also dasselbe wie „Vorteil beim Matchball“.